Icon Mehr-Patientensicherheit
2024-840

Traumatische Erfahrung: Hoher Blutverlust, späte OP, kein Notrufknopf

Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular

Fallbeschreibung:

Blutverlust nach Geburt: Späte OP und kein Notrufknopf

Ich habe im Krankenhaus entbunden. Die Geburt an sich verlief gut. Aber danach meinte die Hebamme zum anwesenden Arzt, dass ein Stück Plazenta fehlt. Der Arzt verneinte dies. Kurz danach lief viel Blut. mehrfach wurde das Blut von anwesenden Hebammen aufgesogen. Ich sollte notoperiert werden. Bis zur OP hat es sehr lange gedauert. Laut meinen Mann sind von meinem Abtransport Richtung OP bis zu meiner Rückkehr mehr als 6 Stunden vergangen.

Aufgewacht bin ich dann alleine in einem dunklem Raum. Einem Ärztezimmer. Ich habe den Notknopf gesucht, es war keiner da. Ich konnte mich nach Geburt und OP nicht bewegen, habe am ganzen Körper gezittert. Ich brauchte Hilfe, und konnte keine rufen.

Gut gelaufen:

Die Geburt an sich Dank Hebamme.

Schlecht gelaufen:

Fehlender Notrufknopf, lange Dauer bis Start der OP, abgestellt in irgendeinem Büro.

Verbesserungsvorschläge:

Bessere Behandlung und Fürsorge nach OP, Verfügbarkeit von Notrufknopf, adäquate Unterbringungen einer frisch operierten Person, mehr Beachtung des Hinweises der Hebamme

Weitere Infos:

Die Ereignisse haben ein Geburtstrauma bei mir ausgelöst. Ich war dadurch am Anfang kaum fähig meine frisch geborene Tochter zu versorgen. Bis heute habe ich mit diesen Ereignissen zu kämpfen.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Eine Geburt ist ein außergewöhnliches Ereignis – körperlich wie emotional. Wenn danach unerwartete Komplikationen auftreten und man sich plötzlich allein, hilflos und ohne Möglichkeit, Unterstützung zu rufen, in einem fremden Raum wiederfindet, kann das tiefe Spuren hinterlassen. Solche Erfahrungen können das Erleben der Zeit nach der Geburt und die Bindung zum neugeborenen Kind stark beeinträchtigen.

Was diese Berichterstatterin schildert, zeigt, wie mehrere Versorgungslücken zusammentreffen können: eine medizinische Komplikation nach der Geburt, eine lange Wartezeit bis zur Operation sowie eine Situation nach dem Eingriff, in der die betroffene Person weder Notrufmöglichkeiten noch Begleitung hatte. In einer solchen Lage – erschöpft, immobilisiert und allein nach einer Notoperation – bestand für die Betroffene kein realistischer Spielraum, selbst einzugreifen. Das ist wichtig anzuerkennen.

Was Angehörige oder Begleitpersonen tun können

Auch wenn Betroffene selbst in manchen Momenten keine Handlungsmöglichkeiten haben, können Angehörige oder Begleitpersonen eine wichtige Rolle übernehmen.

  • Eine Begleitperson kann aktiv nachfragen, wo die betroffene Person nach dem Eingriff untergebracht wird und ob ein Notrufknopf oder eine Rufmöglichkeit vorhanden ist – zum Beispiel: „Wie kann meine Frau nach der OP Hilfe rufen, wenn sie allein ist?“
  • Es ist möglich, ausdrücklich darum zu bitten, bei der Person zu bleiben oder regelmäßig nach ihr zu sehen – insbesondere in den ersten Stunden nach einem Eingriff.
  • Wenn eine Begleitperson bemerkt, dass jemand ohne angemessene Betreuung in einem Raum ist, kann sie direkt das Pflegepersonal ansprechen und um sofortige Unterstützung bitten.
  • Begleitpersonen können Beobachtungen zu Wartezeiten oder fehlender Versorgung festhalten – Uhrzeit, Ort, Situation – um diese später, wenn die betroffene Person dazu bereit ist, als Grundlage für eine Rückmeldung an die Einrichtung nutzen zu können.

Für die Zukunft: Was sich vorbereiten lässt

  • Vor einer geplanten Geburt kann besprochen werden, welche Person als Begleitung benannt wird und welche Aufgaben sie übernehmen kann – auch für den Fall unerwarteter Komplikationen.
  • In einem Aufnahmegespräch oder Geburtsplan ist es möglich, den Wunsch nach kontinuierlicher Begleitung auch nach dem Eingriff festzuhalten.
  • Nach belastenden medizinischen Erfahrungen – insbesondere rund um Geburt und Notfallsituationen – ist psychologische Unterstützung verfügbar. Eine Hebamme oder Hausarztpraxis kann eine erste Anlaufstelle für eine Überweisung sein.
  • Erfahrungen wie diese können über mehr-patientensicherheit.de gemeldet werden – damit andere Einrichtungen daraus lernen und ähnliche Situationen künftig vermieden werden können.

Sie sind nicht allein

Wer nach einer Geburt oder einem medizinischen Eingriff traumatische Erfahrungen gemacht hat, findet bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) unter 0800 011 77 22 (kostenlos, werktags) Unterstützung und Beratung. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu teilen, bietet mehr-patientensicherheit.de.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Krankenhaus, Kreißsaal
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

Icon Pfeil nach unten

Wählen Sie eines der anderen Themen

Wählen Sie das Thema aus, das zu Ihrem Fall am besten passt oder über welches Sie weitere Informationen und berteits veröffentlichte Fälle lesen möchten. Alternativ können Sie Ihren Fall auch direkt über das Meldeformular berichten.
Ersatzkassen des vdek

Die Betriebskrankenkassen:

Ihre Meinung hilft uns!
Bitte helfen Sie mit das Portal weiter zu verbessern, damit unsere Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit noch mehr Menschen erreichen.

Wie gefällt Ihnen unser Portal insgesamt?

Wie gefällt Ihnen unser Portal insgesamt?

Zurücksetzen

Haben Sie auf unserem Portal hilfreiche Informationen zur Patientensicherheit gefunden?

Haben Sie auf unserem Portal hilfreiche Informationen zur Patientensicherheit gefunden?

Zurücksetzen

Was gefällt Ihnen an unserem Portal besonders gut?

Was gefällt Ihnen an unserem Portal besonders gut?

Zurücksetzen

Was gefällt Ihnen an unserem Portal nicht so gut? Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie?

Was gefällt Ihnen an unserem Portal nicht so gut? Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie?

Zurücksetzen
Ihre Meinung 2/2

Wie sind Sie auf unsere Website aufmerksam geworden?

Wie sind Sie auf unsere Website aufmerksam geworden?

Zurücksetzen

Welche Themen haben Sie auf unserer Website interessiert?

Welche Themen haben Sie auf unserer Website interessiert?

Zurücksetzen

Wichtige Mitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,

Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.

Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team