2024-687
Vertrauen in Krankenhausbehandlung verloren
Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular
Mein Ehemann wurde von seinem Hausarzt wegen Atemnot und Herzrhythmus-Störungen in ein Klinikum, eingewiesen.
Mein Ehemann ist Kassenpatient, ist seit Jahren an COPD erkrankt. Er befand sich seit Bekanntwerden der Erkrankung in fachärztlicher Behandlung (Lungenfacharzt(Internist(Hausarzt) und hat auch bis zu seinem Renteneintritt Vollzeit weitergearbeitet. Nachdem die stationäre Aufnahme (auf einer Station für „Innere Medizin) erfolgt war, wurde mein Ehemann nach wenigen Tagen zum Röntgen ins Erdgeschoss des Hauses gebracht. Dort „vergaß“ man ihn zeitnah wieder abzuholen. Sehr kurz danach erkrankte mein Ehemann zusätzlich an einer Pneumonie. Es wurden mehrere Antibiotika ausprobiert, keine führte zum Erfolg.
Man wusste nicht weiter und verlegte meinen Ehemann auf die Palliativstation. Man verabreiche ihm täglich und mehrfach „das Opioid „Fentanyl“, das aus einer Uniklinik bezogen wurde. Mein Ehemann war innerhalb weniger Tage für mich nicht mehr ansprechbar, vollkommen abgemagert, und hatte einen Katheter, weil noch eine Blasenentzündung hinzugekommen war.
Einem Lungenfacharzt, der im Krankenhaus tätig ist, wurde kein einziges Mal hinzugezogen, stattdessen wurde er von Ärztinnen behandelt, die offenbar keinerlei lungenfachärztliche Ausbildung nachweisen konnten. Das stelle man sich einmal vor! Man versuchte mich jetzt zu überreden, meinen Mann ins Hospiz abzugeben, sagte: Sie können bei ihm bleiben, wir haben dort auch Zimmer für Angehörige.
Da die Lungenentzündung mittlerweile abgeklungen war, bestand ich darauf, dass mein Ehemann in unsere Wohnung gebracht wird. Dies geschah mit einem Krankentransport. Das Palliativteam (kam auf Anregung des Krankenhauses zu uns ins Haus) bestand darauf, die Medikation alleinverantwortlich fortzusetzen mit Opioiden. Nachdem ich den Hausarzt und Lungenfacharzt meines Ehemannes wieder „an Bord“ geholt hatte, wurden die Opioide umgehend abgesetzt, das Palliativteam nicht mehr gewünscht.
„Was hat man denn mit Ihnen gemacht?“, fragte der Lungenfacharzt meinen Ehemann.
„Da ist einiges schiefgelaufen“, meinte der Hausarzt.
Mein Ehemann hat durch die unsachgemäße Behandlung im Krankenhaus einen erheblichen Teil seines Lungengewebes eingebüßt. Einem engagierten und kompetenten Physiotherapeuten, der meinen Mann zu Hause behandelte, ist es mittlerweile gelungen, ein Minimum an Mobilität wiederherzustellen.
Dennoch: Unser Leben ist stark eingeschränkt, um nicht zu sagen: das alte Leben ist seit dem Krankenhausaufenthalt für immer zerstört. Ich habe lange mit dem Gedanken gespielt, das Krankenhaus zu verklagen, aber mir fehlt schlicht weniger das Geld als die Energie. Die brauchen wir zum Weiterleben.
Wenn ein naher Angehöriger schwer erkrankt und sich sein Zustand im Krankenhaus trotz Behandlung verschlechtert, ist das für alle Beteiligten eine außerordentlich belastende Situation. Angehörige stehen dabei vor der schwierigen Aufgabe, die Versorgung zu beobachten, zu verstehen und – wenn nötig – für die Interessen des Patienten einzutreten, oft ohne medizinisches Fachwissen und in einem Moment großer persönlicher Erschöpfung.
Solche Verläufe können entstehen, wenn verschiedene Faktoren zusammentreffen: eine vorbestehende schwere Erkrankung wie COPD (eine chronische Lungenerkrankung, die die Atemwege dauerhaft verengt), eine zusätzliche Infektion, Schwierigkeiten bei der Auswahl geeigneter Medikamente und Fragen zur Einbindung von Fachärztinnen und Fachärzten mit spezifischem Spezialwissen. Hinzu kann eine Situation kommen, in der Betroffene und Angehörige das Gefühl haben, nicht ausreichend in Entscheidungen einbezogen zu werden.
Wenn Angehörige oder Patientinnen und Patienten das Gefühl haben, dass die Behandlung nicht den erhofften Verlauf nimmt, gibt es Möglichkeiten, aktiv zu werden.
Wenn Sie nach einem belastenden Krankenhausaufenthalt Unterstützung oder eine unabhängige Beratung suchen, ist die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) eine kostenfreie Anlaufstelle – erreichbar unter 0800 011 77 22 (Mo–Fr 8–22 Uhr, Sa 8–18 Uhr).
Ihre Erfahrungen können – anonym und freiwillig – auch auf mehr-patientensicherheit.de gemeldet werden: Jeder Bericht kann dazu beitragen, die Versorgung für andere Patientinnen und Patienten in Zukunft sicherer zu machen.
Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
Ein 15 Monate altes Kind entwickelte schwere Hypothermie durch unerwärmte Infusionen. Dieser CIRS-Fall zeigt, wie einfache Maßnahmen Leben schützen.
Fall lesen →Ein Patient erhielt jahrelang ein Immunsuppressivum bei fraglicher Diagnose. Erst ein Arztwechsel brachte Klarheit – und deutliche Besserung.
Fall lesen →Wiederholte Unterzuckerungen bei einer Typ-1-Diabetikerin in der Frühreha – weil Angehörige mit Fachwissen nicht eingebunden wurden. Ein CIRS-Fall über Kommunikation.
Fall lesen →Ein Parkinson-Patient erhielt in der Reha das ungeeignete Medikament MCP – mit schwerwiegenden Folgen. Was dieser CIRS-Fall für die Patientensicherheit bedeutet.
Fall lesen →Ein Bisphosphonat-Präparat wurde ohne Untersuchung verordnet und im Liegen eingenommen – mit tödlichen Folgen. Was dieser CIRS-Fall lehrt.
Fall lesen →Eine Seniorin entwickelt nach einem Schlaganfall in der Frühreha ein Delir – möglicherweise durch zu viele Medikamente. Ein Fall über Polypharmazie und Patientensicherheit.
Fall lesen →Eine Seniorin erhielt mehrfach blutdrucksenkende Mittel und wurde zu früh entlassen. Wie kam es dazu? Ein CIRS-Fall über Risiken in der Notaufnahme.
Fall lesen →CIRS-Fall: Propofol für mehrere Patienten genutzt, kaum Monitoring bei ambulanter Narkose. Was das bedeutet und wie Sicherheit aussehen sollte.
Fall lesen →Eine Patientin erhielt vor ihrer Brust-OP versehentlich ihre Blutdruckmittel als Beruhigungsmittel. Ein CIRS-Fall über Sicherheit bei der Medikamentengabe.
Fall lesen →Eine Patientin erhielt im Krankenhaus notwendige Medikamente nicht – mit schwerwiegenden Folgen. Ein CIRS-Fall über Kommunikation und Arzneimittelsicherheit.
Fall lesen →
Die Betriebskrankenkassen:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,
Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.
Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team