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2026-117

Viel zu spät erkannte Gürtelrose

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Fallbeschreibung:

Gürtelrose spät erkannt: Wochenlange Fehldiagnose

Es traten bei mir plötzlich starke Schmerzen zwischen den Schulterblättern auf. Hinzu kamen diffuse Taubheitsgefühle in Armen und Händen sowie an der linken Hüfte. Außerdem verspürte ich ein Kribbeln seitlich der Brüste und eine extreme Empfindlichkeit der Brustwarzen.

In den folgenden Wochen suchte ich mehrfach meine Hausarztpraxis auf und wurde dort von drei verschiedenen Ärztinnen und Ärzten behandelt. Wegen unerträglicher Schmerzen stellte ich mich zudem viermal in einer Notaufnahme vor. Es wurden unter anderem ein MRT und ein CT der Brustwirbelsäule durchgeführt, ohne dass eine eindeutige Ursache gefunden werden konnte. Die Befunde wurden wiederholt als unauffällig bewertet, und die Beschwerden wurden dem Bewegungsapparat zugeschrieben.

Auf eigene Kosten konsultierte ich zusätzlich einen Physiotherapeuten, einen Osteopathen, einen Chiropraktiker sowie einen Neurologen. Keiner dieser Behandlungsansätze führte zu einer Besserung oder zu einer klaren Diagnose. Zwischenzeitlich erhielt ich wegen des Verdachts auf eine rheumatische Erkrankung eine Überweisung in die Rheumatologie; ein Termin war jedoch erst Monate später verfügbar.

Während dieser Zeit fühlte ich mich mit meinen Beschwerden nicht ernst genommen. Ich nahm verschiedene Schmerzmittel und erhielt auch Cortison, das kurzfristig eine gewisse Linderung brachte, die Schmerzen jedoch nicht nachhaltig beseitigte.

Erst ein Heilpraktiker entdeckte zufällig die bereits verblassenden Gürtelrose-Bläschen unter dem BH-Bereich am Rücken. Der Befund wurde anschließend vom Hausarzt bestätigt. Auf meine Frage, ob die starken Schmerzen durch die Gürtelrose verursacht worden sein könnten, äußerte dieser Zweifel.

Nach der Diagnose erhielt ich eine antivirale Therapie mit Aciclovir. Unter dieser Behandlung besserten sich die Beschwerden langsam.

Nach sechs Wochen endete die Lohnfortzahlung durch meinen Arbeitgeber. Die weitere Ausfallzeit überbrückte ich in Absprache mit meinem Arbeitgeber durch den Einsatz von Urlaubstagen. Bald konnte ich meine Arbeit wieder aufnehmen.

Auch ein Jahr später, bestehen noch leichte Beschwerden. Dazu gehören insbesondere Taubheitsgefühle an den Händen, im Gesicht und an der linken Hüfte.

Fazit: Hätte die Gürtelrose früher erkannt und als Ursache der Schmerzen in Betracht gezogen werden können, wären mir, meinem Arbeitgeber und dem Gesundheitssystem erhebliche Belastungen und Kosten erspart geblieben.

Gut gelaufen:

Im Endeffekt hat ein Heilpraktiker, zu dem ich zum „Einrenken, ein Versuch ist es ja wert“ ging, die Gürtelrose gesehen, von da an ging es bergauf.

Schlecht gelaufen:

Besonders schlecht war, dass ich von A nach B geschoben wurde, und dass keiner über den Tellerrand schaute. Besonders schlecht war auch der äußerst ignorante Hausarzt, den ich mittlerweile gewechselt habe. Schließlich bewerte ich Besuche in der Notaufnahme als Hölle. Man wird nicht ernst genommen und blöde angemacht, wenn man Schmerzen hat, die nicht auszhalten sind.

Verbesserungsvorschläge:

Besser über Gürtelrose informieren! Bessere Aufklärung, evtl. durch eine Informationskampagne….

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Starke, schwer einzuordnende Schmerzen, die sich trotz vieler Untersuchungen und Behandlungen nicht bessern – das ist eine körperlich wie emotional zermürbende Erfahrung. In diesem Fall dauerte es viele Wochen und zahlreiche Arzt- und Klinikbesuche, bis die eigentliche Ursache erkannt wurde: eine Gürtelrose (medizinisch: Herpes zoster, eine Virusinfektion, die Nerven und Haut betrifft und durch das Windpocken-Virus ausgelöst wird).

Gürtelrose kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Neben dem typischen Hautausschlag mit Bläschen – der manchmal erst spät sichtbar wird oder an schwer einsehbaren Körperstellen entsteht – können starke Schmerzen, Taubheitsgefühle und Kribbeln auftreten, die auf den ersten Blick an Erkrankungen des Rückens oder der Nerven erinnern. Diese Ähnlichkeit mit anderen Beschwerdebildern kann die Diagnose erschweren.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer anhaltende, unerklärliche Schmerzen erlebt, die trotz Behandlung nicht besser werden, kann aktiv dazu beitragen, dass alle relevanten Informationen bei der Diagnosesuche berücksichtigt werden.

  • Es ist möglich, bei Arztbesuchen gezielt nach Hautveränderungen zu fragen – auch an schwer einsehbaren Stellen wie dem Rücken, dem Bereich unter dem BH-Verschluss oder entlang der Rippenbögen. Eine Formulierung könnte sein: „Könnte es sich bei meinen Beschwerden auch um Gürtelrose handeln? Wäre eine Untersuchung der Haut sinnvoll?“
  • Wenn Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle gürtelförmig oder einseitig auftreten – also nur links oder rechts, entlang eines Streifens am Rumpf, Rücken oder in einem Arm – kann es helfen, das gegenüber dem medizinischen Fachpersonal genau so zu beschreiben.
  • Es ist möglich, alle bisherigen Beschwerden, ihren zeitlichen Verlauf und bereits unternommene Behandlungsversuche schriftlich festzuhalten und bei jedem Arztbesuch mitzubringen. Das kann dabei helfen, das Gesamtbild schneller zu erfassen.
  • Wenn das Gefühl entsteht, dass die eigenen Beschwerden nicht ausreichend ernst genommen werden, ist es möglich, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen oder ausdrücklich darum zu bitten: „Ich mache mir Sorgen, dass etwas Wichtiges übersehen wird – können wir gemeinsam noch einmal alle Möglichkeiten durchgehen?“

Worauf Sie achten können

  • Gürtelrose beginnt häufig mit Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit – der Hautausschlag kann wenige Tage später, manchmal aber auch deutlich verzögert oder kaum sichtbar auftreten.
  • Typisch für Gürtelrose ist ein einseitiger, streifenförmiger Verlauf der Beschwerden, der einer bestimmten Nervenbahn folgt – zum Beispiel um den Rumpf herum oder entlang eines Arms.
  • Eine antivirale Behandlung (zum Beispiel mit dem Wirkstoff Aciclovir) ist besonders wirksam, wenn sie früh begonnen wird. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto größer ist die Chance, Folgebeschwerden wie anhaltende Nervenschmerzen zu vermeiden.
  • Für Personen ab 50 Jahren empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Schutzimpfung gegen Gürtelrose. Informationen dazu sind in der Hausarztpraxis erhältlich.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 50-69 Jahre
Art der Einrichtung:Heilpraktiker:innen/Homöopath:innen, Arztpraxis, Ambulante Praxis, Krankenhaus, Notaufnahme
Geschlecht: weiblich

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