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2026-085

Leberruptur: Lange Rettungsdauer und fehlende Traumaspirale nach Sturz vom Pferd

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Fallbeschreibung:

Leberruptur nach Sturz vom Pferd: Verzögerungen in der Notfallversorgung

Unsere Tochter (16J.) ist beim angaloppieren vom Pferd gefallen.
Der Rettungsdienst wurde aufgrund unklarer Bauchschmerzen und Schulterschmerzen hinzu gerufen.
Nach Eintreffen des Rettungsdienstes dauerte es zunächst 60 Minuten, bis unsere Tochter Richtung Krankenhaus transportiert werden konnte – Grund Sanitäter und Notarzt bekamen keinen venösen Zugang.
Bei der Fahrt in die Klinik, vergaßen der Rettungsdienst eine bereits seit Wochen bestehende Umleitung, so dass die Fahrt in die Klinik länger als benötigt dauerte.
In der Klinik angekommen, führte man einen Ultraschall durchund erklärte uns, dass man nur etwas freie Flüssigkeit im Douglasraum gefunden habe. Für eine 16 Jährige aber nicht ungewöhnlich.
Ein CT sei nicht notwendig, aufgrund der Schulterschmerzen wollte man aber ein Röntgen der Schulter durchführen.
Trotz drängen auf eine Traumaspirale sollte diese zunächst verweigert werden. Als ich dann mit Verlegung drohte, wurde dann nach ewigen Hin und her ein CT gemacht, mit dem Ergebnis dass meine Tochter eine Leberruptur 4. Grades hatte. Es erfolgte eine Verlegung per Hubschrauber in eine Klinik mit Kinderintensiv.

Gut gelaufen:

Glücklicherweise sind mein Mann und ich selbst ausgebildetes Fachpersonal und haben auf die Untersuchung bestanden. Ab Diagnosestellung ging die Verlegung mit der Luftrettung ganz schnell.

Schlecht gelaufen:

Auf notwendige Untersuchungen verzichten, weil sie am Wochenende den radiologischen Bereitschaftsdienst erfordern. Leider nicht das erste Mal in dieser Klinik.

Verbesserungsvorschläge:

Richtlinien einhalten und Eltern alle Möglichkeiten aufzeigen die zur Diagnostik möglich wären. Rettungsdienst sollte aktuelle Umleitungen im Kopf haben und ggf auf das Legen eine peripheren Zugangs verzichten, wenn dies so wertvolle Rettungszeit erfordert.

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Wenn ein Kind oder Jugendlicher nach einem Unfall in die Notaufnahme kommt, ist das für die gesamte Familie eine extrem belastende Situation. Gerade bei Traumata – also körperlichen Verletzungen durch äußere Einwirkung – kann es vorkommen, dass der tatsächliche Schweregrad einer Verletzung zunächst unterschätzt wird, weil erste Untersuchungsergebnisse uneindeutig sind oder schwerwiegende Verletzungen sich erst langsam zeigen.

Eine Leberruptur (ein Einriss der Leber) ist eine potenziell lebensbedrohliche Verletzung, die von außen nicht sichtbar ist und deren Symptome – Bauchschmerzen, Schulterschmerzen – zunächst unspezifisch wirken können. Für eine zuverlässige Diagnose ist in solchen Fällen eine sogenannte Traumaspirale (ein spezielles CT-Untersuchungsprotokoll, das den gesamten Körper nach Verletzungen scannt) oft entscheidend. Eltern und Begleitpersonen sind in solchen Momenten häufig die einzigen, die kontinuierlich für die betroffene Person eintreten können.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wenn Sie ein Kind oder eine nahestehende Person nach einem Unfall in die Notaufnahme begleiten, gibt es einige Möglichkeiten, aktiv zur Sicherheit beizutragen.

  • Den Unfallmechanismus klar und wiederholt benennen: Es kann hilfreich sein, dem medizinischen Personal den genauen Unfallhergang zu schildern – also zum Beispiel: Sturz vom galoppierenden Pferd, Aufprall auf den Boden. Der sogenannte Unfallmechanismus gibt wichtige Hinweise auf mögliche innere Verletzungen und ist für die Entscheidung über weiterführende Diagnostik relevant.
  • Gezielt nach weiterführender Bildgebung fragen: Bei Traumata nach Hochgeschwindigkeitsunfällen ist es möglich, das Behandlungsteam direkt zu fragen: „Wäre in diesem Fall eine Computertomografie – also ein CT – sinnvoll?“ oder „Gibt es eine Untersuchungsmöglichkeit, die innere Verletzungen ausschließen kann?“ Das ist kein Angriff, sondern ein legitimer Teil des Gesprächs.
  • Bedenken ruhig und klar ansprechen: Wenn das Gefühl besteht, dass der Zustand der betroffenen Person ernster ist als bisher angenommen, kann man das direkt benennen – etwa: „Ich mache mir Sorgen, dass hier etwas übersehen werden könnte. Was sind die nächsten Schritte, wenn sich der Zustand verschlechtert?“
  • Nach der Option einer Verlegung fragen: Falls die eigene Einschätzung stark von der des Behandlungsteams abweicht und keine Einigung möglich ist, ist es möglich, nach einer Verlegung in ein anderes Krankenhaus zu fragen. Das ist ein Recht, das Begleitpersonen und Erziehungsberechtigte wahrnehmen können.

Worauf Sie achten können

  • Bei Stürzen aus großer Höhe oder von sich bewegenden Tieren – wie Pferden – besteht ein erhöhtes Risiko für innere Verletzungen, auch wenn äußerlich wenig zu sehen ist. Diesen Hinweis ist es möglich, dem Rettungsdienst und der Notaufnahme aktiv mitzuteilen.
  • Schulterschmerzen nach einem Bauchtrauma können ein Hinweis auf innere Verletzungen sein – dieses Phänomen nennt sich „referred pain“ (ausstrahlender Schmerz). Es ist möglich, das Behandlungsteam darauf aufmerksam zu machen, wenn dieser Zusammenhang noch nicht angesprochen wurde.
  • Wenn sich der Zustand der betroffenen Person während der Wartezeit in der Notaufnahme verändert – zum Beispiel zunehmende Blässe, Unruhe, Bewusstseinstrübung oder stärkere Schmerzen –, ist es wichtig, sofort das Personal direkt anzusprechen und eine erneute Einschätzung zu bitten.
  • Als Begleitperson kann man sich erlauben, Fragen zu stellen, Bedenken zu äußern und auf Antworten zu bestehen – auch mehrfach. Das ist kein unangemessenes Verhalten, sondern ein wertvoller Beitrag zur Patientensicherheit.

Sie sind nicht allein

Wenn Sie nach einem solchen Erlebnis Unterstützung suchen oder Ihre Erfahrungen schildern möchten, steht Ihnen die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kostenlos zur Verfügung. Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie Ihren Fall anonym melden und damit dazu beitragen, dass andere von ähnlichen Erfahrungen lernen können.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Angehörige oder Angehöriger einer Patientin oder eines Patienten
Alter: 15-18 Jahre
Art der Einrichtung:Notaufnahme, Krankenhaus, Rettungsdienst/Krankentransport
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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