2024-108
Unnötige Vaginaluntersuchung führt mutmaßlich zu Blasensprung
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Wegen eines Tumors wurden zwei Drittel meines Gebärmutterhals entfernt (radikale vaginale Trachelektomie). Als ich schwanger wurde hielt sich mein Gynäkologe an die Empfehlungen, die für das Schwangerschaftsmanagement nach dieser OP vorliegen. Bei 36+0 hatte ich einen CTG-Termin.
An diesem Tag war eine Vertretungsärztin in der Praxis. Sie bestand darauf mich zu untersuchen. Ohne vorherige Besprechung oder Erklärung führte sie eine vaginale digitale Untersuchung durch. Ich war völlig schockiert, da empfohlen wird auf jeden Fall davon abzusehen. Das Risiko Bakterien mit einzuführen, die aufgrund des verkürzten Halses sehr schnell zur Fruchtblase kommen und so zu einem vorzeitigem Blasensprung führen können, ist hoch.
Wenige Stunden später erfolgte der Blasensprung. Im Krankenhaus wurde gemutmaßt, dass die Untersuchung und der Blasensprung unmittelbar zusammenhängen. Die zu frühe Geburt hatte u.a. zur Folge, dass mein Kind zunächst auf der Neonatologie behandelt werden musste.
Ich mache mir bis heute Vorwürfe die Situation nicht erfasst zu haben und die vaginale Untersuchung nicht verhindert zu haben.
Eine Schwangerschaft nach einer Trachelektomie – also einer Operation, bei der ein Großteil des Gebärmutterhalses entfernt wurde – erfordert ein besonders sorgfältiges Betreuungskonzept. Wenn in einer solchen Situation eine Vertretungsperson die Behandlung übernimmt, die mit dieser speziellen Vorgeschichte nicht vertraut ist, können Untersuchungen durchgeführt werden, die dem individuellen Risikoprofil der Patientin nicht angepasst sind – mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen.
Die betroffene Person macht sich Vorwürfe, die Situation nicht rechtzeitig erkannt zu haben. Dieser Impuls ist zutiefst menschlich – doch er ist nicht angemessen: In einem Moment der Überrumpelung, ohne Vorankündigung oder Erklärung, ist es für die meisten Menschen kaum möglich, eine unerwünschte Untersuchung zu unterbrechen oder abzulehnen. Das verdient ausdrückliche Anerkennung.
Bei komplexen Vorerkrankungen oder besonderen Schwangerschaftsverläufen kann es hilfreich sein, sich vorab auf mögliche Vertretungssituationen vorzubereiten.
Wenn Sie eine Situation erlebt haben, in der Sie sich übergangen oder unzureichend informiert gefühlt haben, bietet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kostenlose und neutrale Beratung an. Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie Ihre Erfahrungen anonym melden und damit dazu beitragen, dass ähnliche Situationen in Zukunft besser erkannt und vermieden werden.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
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