2025-258
Zwischen Hoffnung und Trauma: Wie eine Bandscheiben-OP das Leben verändern kann
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Ende 2020 suchte ich einen Wirbelsäulenspezialisten auf, da meine Schmerzen im Hals- und Schulterbereich, vermutlich verursacht durch einen Bandscheibenvorfall, stark zugenommen hatten. Zunächst versuchte man es mit konservativen Maßnahmen wie Kortison und NSAR-Therapie. Als diese keine Linderung brachten, wurde mir im Anfang 2021 zu einer Bandscheibenoperation geraten – konkret zu einer monosegmentalen, minimalinvasiven Dekompression nach „Frykholm“, einem Verfahren, das die Bandscheibe erhält und als besonders schonend gilt.
Mit beiderseitigem Einverständnis wurde ein OP-Termin in einer Spezialklinik vereinbart. In der Woche der Operation fand ein ausführliches Aufnahme- und Aufklärungsgespräch statt, in dem erneut das vereinbarte Verfahren besprochen und dokumentiert wurde. Ich wurde ich stationär aufgenommen, die Operation war für den nächsten Tag geplant. Trotz meines Wunsches, den Operateur noch vor der OP zu sprechen, kam es aufgrund aus verschiedensten Gründen (wie Zeitdruck, Arzt ist schon jenseits der Schleuse, usw.) seitens der Klinik nicht mehr dazu.
Am Tag nach der OP kam es zu einem schockierenden Moment: Bei der Visite fragte ich nach, warum sich die Operationswunde vorne am Hals befand – erwartet hatte ich einen Schnitt im Nackenbereich. Erst dann erfuhr ich, dass statt der besprochenen Methode eine ACDF-Versteifung mit HARMS-Cage und ventraler Plattenosteosynthese durchgeführt worden war – ein völlig anderes Verfahren. Dieses Wissen traf mich wie ein Schlag, und mein Vertrauen in die Ärzteschaft wurde tief erschüttert.
Noch schwerer wog, dass Monate später ein weiterer Facharzt, den ich für eine Zweitmeinung konsultierte, eine abgebrochene Bohrerspitze in meinem Körper lokalisierte, die mir zuvor vom Krankenhauspersonal verschwiegen worden war. Erst durch Einsicht in meine Patientenakte erfuhr ich, dass dieser Vorfall den Verantwortlichen bekannt gewesen war.
In der Folge begann für mich eine jahrelange Odyssee: zahlreiche Reha- und Akutbehandlungen – sowohl orthopädisch als auch psychosomatisch. Aufgrund der bleibenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen wurde ich rückwirkend erwerbsgemindert berentet.
Meine berufliche Laufbahn als IT-Manager in einem großen Unternehmen fand ein abruptes Ende. Auch ein Grad der Behinderung sowie ein Pflegegrad wurden festgestellt.
Nach einem Anwaltswechsel, läuft aktuell eine Klage gegen die Klinik und den Operateur, und ein gerichtlich beauftragtes Gutachten steht aus.
Dieser Fall beschreibt eine außerordentlich belastende Erfahrung: Ein Eingriff, der anders durchgeführt wurde als zuvor besprochen, ein verschwiegener Zwischenfall während der Operation und die weitreichenden gesundheitlichen wie persönlichen Folgen, die daraus entstanden sind. Solche Erlebnisse können das Vertrauen in die medizinische Versorgung tief erschüttern und das Leben der Betroffenen und ihrer Familien grundlegend verändern.
Operationen an der Wirbelsäule sind komplexe Eingriffe, bei denen das Gespräch zwischen Patient:in und Operateur eine zentrale Rolle spielt. Wenn ein abgestimmtes Verfahren – in diesem Fall eine bandscheibenerhaltende Methode – durch ein wesentlich anderes Verfahren ersetzt wird, ohne dass dies vor dem Eingriff erneut besprochen und eingewilligt wurde, berührt das grundlegende Rechte von Patient:innen: das Recht auf informierte Zustimmung, die sogenannte informierte Einwilligung (oder „Informed Consent“). Hinzu kommt das Recht, über Zwischenfälle während einer Operation umgehend informiert zu werden.
Wer eine Operation plant, kann im Vorfeld verschiedene Schritte unternehmen, um die eigene Sicherheit zu stärken.
Wer nach einem medizinischen Eingriff Fragen hat, sich unzureichend informiert fühlt oder rechtliche Schritte in Erwägung zieht, kann sich kostenlos und unabhängig an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden – telefonisch, per Chat oder persönlich in einer Beratungsstelle. Weitere Informationen, Erfahrungsberichte und Hinweise zur Patientensicherheit finden Sie auf mehr-patientensicherheit.de.
Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
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