Bereich: Psychiatrie.
Depression seit Jahrzehnten.
In Behandlung seit xxx (zuvor hatte ich mich nicht getraut; erst als es xx schwer wurde, kam ich in Behandlung).
Mehrere Klinikaufenthalte in den Jahren xxx und erneut in den Jahren xxx.
Zwischenzeitlich war ich leicht depressiv, aber dennoch voll erwerbsfähig.
Im Jahr xx kam ich in eine Klinik, die die Leitlinien zur Anwendung von TDM bei unipolaren Depressionen befolgte. Seitdem sind meine depressiven Symptome verschwunden.
Laut der Leitlinien-Fassung von 2015, Empfehlung 3-25, Seite 87 und Anhang 7 (medikamentöse Behandlung der therapieresistenten Depression, Seite 191), muss im Falle eines Nichtansprechens zuerst der Serumspiegel bestimmt werden.
Es ist nachvollziehbar, dass der Spiegel (Citalopram) in den Jahren xxx nicht gemessen wurde, da die TDM für Citalopram nur einen Empfehlungsgrad von 3 hatte.
xx war der Empfehlungsgrad jedoch bereits bei 1 (Stark). Aufgrund meines Rückfalls hätte mein Blutspiegel sofort gemessen werden sollen. Vor allem, weil ich meine Dosis Citalopram seit xx selbstständig und kontinuierlich von 40 mg auf 20 mg reduziert hatte.
Was stattdessen gemacht wurde:
xxx, erste Klinik (Psychosomatik): Citalopram wurde weder erhöht noch gemessen.
xx, zweite Klinik: Citalopram weder erhöht noch gemessen. Stattdessen: – Zweifel an der Depressionsdiagnose -> Citalopram ganz abgesetzt -> Lithium eingeführt –> Zustand verschlechtert
xx, dritte Klinik:
– Citalopram wieder eingeführt. Spiegel gemessen, Dosis angepasst (vier Mal so hoch wie xx wegen ultra-schnellen Metabolismus) → Remission.
Zusatzbemerkung: Aufgrund der schlechten Behandlung im Jahr xx, bei der auch meine Persönlichkeitsrechte verletzt wurden (es passiert immer wieder in manchen psychiatrischen Kliniken), hat sich meine Genesung so massiv verzögert, dass meine Krankenkasse mich dazu gebracht hat, eine Erwerbsminderungsrente zu beantragen –> dies ist von hoher relevanz bei der Beurteilung der entstandenden Kosten.
Leitlinien anwenden → Kostenersparnis !
Das Tragische ist: Ich habe mittlerweile mit mehreren Ärzten gesprochen, die an den Leitlinien oder in der Forschung arbeiten. Die Lage ist ihnen bekannt. Ärzte (Psychiater) folgen den Leitlinien in der Regel nicht. Hier zwei anonymisierte Sätze von zwei unterschiedlichen Ärzten aus der Forschung und Leitlinien-Gremien zu meiner Anfrage:
„Ihren Wunsch, dass Leitlinien schneller in der Versorgung ankommen, teile ich vollkommen. Allerdings kann xxxxxx hier nur indirekt beitragen: durch Studien, deren Ergebnisse in Leitlinien einfließen.“
„Der Verlauf Ihrer Erkrankung ist leider keine Seltenheit und illustriert trefflich, wie ein verfügbares Werkzeug, das TDM, nicht genutzt wird“. Und weiter: „Obwohl die Leitlinien zur Depressionsbehandlung inzwischen bei fehlendem Ansprechen TDM empfehlen, wird in der Praxis so nicht gehandelt.“ Und weiter: „Aber es gibt noch mehr Hindernisse, z. B. die Krankenkassen und der Medizinische Dienst, die nicht begriffen haben, welches Potenzial im TDM steckt.“ “
Meiner Erfahrung nach folgen ca. 80 % der Ärzte der Leitlinie (TDM) nicht. Das heißt, von xxx bis heute habe ich insgesamt zehn Psychiater gesehen, von denen nur einer mir die TDM empfohlen hat. Die damit verbundenen Kosten (indirekt + direkt) für Deutschlandschwanken (meiner extrem groben Schätzung nach) zwischen 2 und 8 Milliarden jährlich.
In meinem speziellen Fall hatte ich mich an meine Krankenkasse, gewandt um einen Behandlungsfehler zu melden. Die KK hat die MD eingeschaltet. Trotz meines Hinweises, dass die Leitlinien nicht befolgt wurden, hat der Experte der MD meine Hinweise völlig ignoriert und den Fall als „behandlungsfehlerfrei” beurteilt. Danach konnte die KK nichts mehr unternehmen. Sie haben mir empfohlen, mich an die V-DeK zu wenden.
Wir Versicherten bezahlen hohe Beiträge an die Krankenkassen. Wer kontrolliert, ob Ärzte sauber arbeiten? Andere Ärzte (MD) scheinen ihren Kollegen viele Fehler zu erlauben …
Ich hoffe, dass Sie tätig werden.
Perspektive: Patientin oder Patient
Art der Einrichtung:Krankenhaus, Ambulante Praxis, Arztpraxis