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2024-1167

Unterlassung von Diagnose und Therapie – Folge Sepsis und Unterschenkelamputation

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Fallbeschreibung:

Nekrotisierende Fasziitis verkannt: Sepsis und Amputation

Aufgrund akuter starker Schmerzen im rechten Oberschenkel (nicht Liegen-, Stehen-, Sitzenkönnen) ergibt sich folgender Verlauf:
1. RTW nachts um 2.00 Uhr gerufen zur Überführung in die Notaufnahme ins nächstgelegene Krankenhaus.

2. In der Notaufnahme werden durch den diensthabenden Arzt Bewegungseinschränkungen im rechten Bein festgestellt und eine Röntgenaufnahme der rechten Hüfte veranlasst mit der Diagnose einer „aktivierten Coxarthrose“: bei akuten Schmerzen!

Mit Gehhilfen, Schmerzmitteln und Kurzarztbericht gegen 6.00 Uhr entlassen zum Hausarztbesuch.

3. Mein Mann fährt mich am nächsten Tag zum Hausarzt; ich kann aufgrund der starken Schmerzen im rechten Bein nicht mehr Autofahren! Mein Hausarzt schreibt mich eine Woche krank und gibt mir eine Überweisung zum Orthopäden! „Was soll ich beim Orthopäden; ich habe höllische Schmerzen im gesamten rechten Oberschenkel“, sage ich ihm. Der Orthopäde könne mir eine Überweisung zum MRT geben, erwidert mein Hausarzt. Dass er ein Ultraschall machen könne, darauf kommt er nicht! Könnte als Befunderhebungsfehler gewertet werden.

4. Der Orthopäde sieht die Überweisung und empfiehlt mir eine neues rechtes Hüftgelenk. „Ich habe starke Schmerzen im gesamten rechten Oberschenkel“, wiederhole ich. Dann stellt er mir eine Überweisung zum MRT aus. Eine weitere Untersuchung findet nicht statt.

5. In der Radiologie könne ich erst einen Termin in drei Wochen bekommen, sagt mir die Sprechstundenhilfe. „Ich habe akute Schmerzen und brauche sofort einen Termin“, erwidere ich. Am nächsten Tag komme ich zur MRT-Untersuchung, jedoch ist das Gerät defekt. „Ich brauche sofort eine Untersuchung, sobald das Gerät wieder funktioniert, weil ich so starke Schmerzen habe“, sage ich dem Radiologen. „Schmerzen sind kein Notfall“, erwidert dieser. Mir ist vor Schmerzen schon ganz übel und ich kann kaum noch klar denken.

6. Am nächsten Tag lasse ich mich vor lauter Schmerzen von meinem Mann in die nächste Notaufnahme fahren. Wieder werden Bewegungseinschränkungen und diesmal erhöhte Temperatur festgestellt. Eine stationäre Aufnahme in der Klinik ist nicht möglich!

7. In der nächsten Notaufnahme wird zum ersten Mal ein Blutbild erstellt und ich werde stationär in der Klinik aufgenommen. Ich werde an einen Schmerztropf angeschlossen und sediert. Trotz astronomisch hoher Entzündungswerte, die auch von einem Arzt abgezeichnet sind, werde ich fünf Tage lang! ohne weitere Diagnose und Therapie liegengelassen.

Erst mein Mann hat meinen roten, angeschwollenen und heißen linken Unterschenkel festgestellt und einen der vielen ausländischen Ärzte, die kaum Deutsch sprachen, darauf aufmerksam gemacht. Ich wurde sofort ins künstliche Koma gelegt und auf die Intensivstation verlegt; ich hatte eine Sepsis entwickelt.

Daraufhin wurde weiter diagnostiziert mittels CT und MRT und eine nekrotisierende Fasziitis festgestellt und der rechte Oberschenkel wurde vom Knie bis zur Hüfte geöffnet. Eine Woche lang wurde dann an mir mit Bluttransfusionen und Antibiotika herumgedoktert, um die Sepsis in den Griff zu bekommen.

Als das nicht gelang, wollte man mich in ein Universitätsklinikum überführen; das hatte jedoch keine freien Kapazitäten. So bin ich in einem anderen Klinikum intubiert, künstlich beatmet und katecholaminpflichtig mit akutem Nierenversagen eingeliefert worden.

Dort kämpften die Ärzte dann auf der Intensivstation um mein Leben und mußten am vierten Tag meinen linken Unterschenkel amputieren, sonst hätte ich nicht überlebt. Und als ob das nicht schon alles schlimm genug war, hatte man mir aus dem ursprünglichen Klinikum noch einen multiresistenten Keim mitgegeben, sodass ich isoliert werden mußte und die ganze Zeit im BG Klinikum mir selbst überlassen war… Auch meine dringend notwendige Reha wurde deshalb von der DRV abgelehnt; ich mußte Widerspruch einlegen und den MRSA erst sanieren lassen. Dadurch konnte ich die Reha erst mit zweieinhalbmonatiger Verzögerung antreten und mit fehlgestellter Interimsprothese wie sich im Verlauf der Reha herausstellte.

Auszug aus dem Gutachten zum groben Behandlungsfehler: „Die Versicherte stellte sich mit einer zunehmenden Schmerzsymptomatik bei mehreren Untersuchern vor (insgesamt sechs Ärzten!), die fälschlicherweise als „aktivierte Coxarthrose“ gewertet wurde. Die erste Blutuntersuchung erbrachte Hinweise auf ein hochgradig pathologisches entzündliches Geschehen, allerdings wurden diese Hinweise nicht adäquat in weitere diagnostische und therapeutische Bemühungen umgesetzt. Die, wie sich dann später herausstellte, zu Grunde liegende nekrotisierende Fasciitis führte dann zur Notwendigkeit mehrerer Operationen und nach Verlegung in eine Spezialklinik u. a. auch zur Unterschenkelamputation links mit dauerhafter Prothesennotwendigkeit. Die Unterlassung der sofortigen Einleitung von diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen nach Erhalt des Blutbildes mit massiv erhöhten Entzündungswerten ist eindeutig vorwerfbar und aus gutachterlicher Sicht schlechterdings nicht nachvollziehbar.“

Ich bin körperlich unversehrt und organisch gesund in ein Krankenhaus gegangen; nach dem Aufenthalt bin ich schwerbehindert. Vielen Dank.

Gut gelaufen:

Sagen Sie es mir! Ich kann nichts dergleichen entdecken.

Schlecht gelaufen:

Dem o. a. ist nichts mehr hinzuzufügen! Schlimmer geht immer.

Verbesserungsvorschläge:

Diese Analyse überlasse ich den Lesern.

Weitere Infos:

M. E. sollte das ganze Vorgehen bzw. Unterlassen strafrechtlich relevant sein, grenzt es doch an Aussetzung lt. § 221 StGB und vorsätzliche Körperverletzung lt. § 223 StGB.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Dieser Fall beschreibt eine außerordentlich belastende Erfahrung: Eine Frau sucht mit starken, zunehmenden Schmerzen mehrfach medizinische Hilfe – und erhält über einen längeren Zeitraum keine Diagnose, die dem tatsächlichen Krankheitsbild entspricht. Was folgte, war eine lebensbedrohliche Erkrankung mit dauerhaften Folgen. Solche Verläufe sind selten, aber sie kommen vor – und sie zeigen, wie wichtig es ist, anhaltende oder sich verschlimmernde Beschwerden ernst zu nehmen und hartnäckig zu kommunizieren.

Im geschilderten Fall wurde eine nekrotisierende Fasziitis – das ist eine schwere, sich rasch ausbreitende Infektion des Bindegewebes unter der Haut – über mehrere Tage nicht erkannt. Die Betroffene suchte insgesamt mehrere Arztpraxen und Notaufnahmen auf und beschrieb ihre Schmerzen wiederholt als akut und unerträglich. Trotz dieser Hinweise blieb eine weiterführende Diagnostik, zum Beispiel eine Blutuntersuchung zur Erkennung von Entzündungswerten, zunächst aus. Erst ein Angehöriger machte das behandelnde Personal auf einen sichtbaren Befund am Unterschenkel aufmerksam – ein Moment, der im weiteren Verlauf entscheidend war.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wenn Schmerzen sehr stark sind, sich verschlimmern oder neue Beschwerden hinzukommen, kann es hilfreich sein, diese Veränderungen klar und wiederholt anzusprechen – auch gegenüber verschiedenen Behandelnden.

  • Die genaue Entwicklung der Beschwerden lässt sich in wenigen Worten beschreiben: wann die Schmerzen begannen, ob sie stärker geworden sind, ob neue Symptome wie Schwellung, Rötung, Wärme oder Fieber hinzugekommen sind. Eine Formulierung wie „Die Schmerzen werden seit gestern deutlich stärker, und jetzt ist das Bein auch noch gerötet und warm – das ist neu“ kann helfen, die Dringlichkeit der Situation zu verdeutlichen.
  • Wenn das Gefühl entsteht, dass die angebotene Erklärung nicht zur erlebten Beschwerdeschwere passt, ist es möglich, direkt nachzufragen: „Ich verstehe die Diagnose – aber warum sind meine Schmerzen so extrem? Kann das wirklich allein dadurch erklärt werden?“ Solche Fragen sind berechtigt und können zu weiterer Abklärung führen.
  • Angehörige oder Begleitpersonen können eine wichtige Rolle übernehmen – besonders dann, wenn Schmerzen, Erschöpfung oder Medikamente die eigene Wahrnehmung und Ausdrucksfähigkeit einschränken. Sie können Beobachtungen benennen, die Betroffenen selbst vielleicht nicht mehr auffallen, wie zum Beispiel eine Verfärbung der Haut, Schwellungen oder veränderte Bewusstseinszustände.
  • Wenn eine Untersuchung oder ein Termin erst in Wochen möglich ist, der Zustand sich aber verschlechtert, ist es möglich, eine Notaufnahme eines Krankenhauses direkt aufzusuchen – unabhängig von ambulanten Überweisungswegen. Eine Einweisung durch einen niedergelassenen Arzt ist dafür nicht zwingend erforderlich.

Worauf Sie achten können

  • Neue oder sich verändernde Symptome – zum Beispiel Fieber, Rötung, Schwellung, Wärme an einer Körperstelle oder eine Verschlechterung des Allgemeinbefindens – können auf eine ernste Entwicklung hinweisen und verdienen sofortige ärztliche Aufmerksamkeit.
  • Wenn Schmerzen so stark sind, dass alltägliche Tätigkeiten wie Sitzen, Liegen oder Gehen nicht mehr möglich sind, ist das ein Hinweis auf eine mögliche Dringlichkeit – auch wenn noch keine Diagnose gestellt wurde.
  • Eine Begleitperson kann in akuten Situationen als zusätzliche Beobachterin oder Fürsprecher fungieren – insbesondere wenn die Betroffene durch Schmerzen, Sedierung oder Erschöpfung in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt ist.
  • Bei stationärem Krankenhausaufenthalt ist es möglich, das Pflegepersonal oder den ärztlichen Dienst aktiv anzusprechen, wenn sich der Zustand verändert – auch zwischen regulären Visitezeiten. Eine Formulierung wie „Mir geht es seit heute schlechter als gestern, ich möchte das bitte einer Ärztin oder einem Arzt mitteilen“ ist jederzeit angebracht.

Sie sind nicht allein

Wenn Sie eine ähnliche Erfahrung gemacht haben oder Unterstützung bei medizinischen Fragen suchen, hilft die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kostenlos und neutral weiter. Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie Ihre Erfahrungen anonym berichten und damit dazu beitragen, dass solche Situationen besser verstanden und künftig verhindert werden können.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 50-69 Jahre
Art der Einrichtung:Rehaeinrichtung, stationär, Ambulante Praxis, Arztpraxis, Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), Rettungsdienst/Krankentransport, Krankenhaus, innerklinischer Transport, Intensivstation, Normalstation, Notaufnahme, Operationssaal
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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